Riskantes Cholesterin findet nur der Arzt
Hohes Cholesterin spürt man nicht. Umso gefährlicher sind die Folgeerkrankungen einer Hypercholesterinämie: Herzinfarkt und Schlaganfall. Daher ist es wichtig, erhöhte Blutfettwerte so früh wie möglich zu erkennen. Ein Bluttest zeigt nicht nur die Gesamtmenge, sondern auch, aus welchen Anteilen der unterschiedlichen Blutfette sie sich zusammensetzt. Das Gesundheitsrisiko lässt sich allein von den Werten allerdings nicht ableiten. Der Arzt definiert es unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren. Im Überblick
Erhöhtes Cholesterin durch Übergewicht, fettes Essen und Rauchen
Fettstoffwechselstörungen sind in den meisten Fällen eine Zivilisationskrankheit. Sie werden häufig hervorgerufen durch eine einseitige Ernährung, die vor allem aus tierischen Produkten - wie Fleisch, Käse und Eiern - besteht. Eine solche Ernährung ist reich an gesättigten Fettsäuren, die in der Leber leichter zu Cholesterin abgebaut werden als ungesättigte Fettsäuren. Ungesättigte Fettsäuren und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln wie Raps- und Sonnenblumenöl, Nüssen, Samen und Avocados enthalten. Eine weitere Ursache kann Übergewicht sein. Nicht nur, weil Übergewicht meistens aus einer zu fettreichen Ernährung entsteht – schließlich gibt es auch Menschen, die viel tierisches Fett essen und trotzdem schlank sind. Übergewicht kann auch auf direktem Weg das Risiko für Fettstoffwechselstörungen erhöhen – immer dann, wenn es sich als Bauchfett manifestiert. M – Auch Rauchen wirkt sich ungünstig auf die Blutfette aus, da durch das Rauchen verstärkt freie Radikale im Blut freigesetzt werden. Diese freien Radikale verändern (oxidieren) die LDL-Partikel, sodass oxLDL entstehen, die die Arteriosklerose begünstigen.
Viel Bauchfett stellt ein besonderes Risiko dar
Die mehr bauchbetonte Fettverteilung beschrieb in den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts der französische Arzt Jean Vague als die „männliche Form“ im Gegensatz zum „weiblichen“ Fettverteilungsmuster, bei dem das Fett eher an Hüften, Po und Oberschenkeln sitzt. Heute spricht man eher von Apfel- und Birnenform, denn der männliche Fettverteilungtyp kann auch bei Frauen auftreten, und der weibliche ebenfalls bei Männern. Der kanadische Lipid-Experte Jean-Pierre Després hat 2001 in einer fundierten Studie gezeigt, dass Männer mit einem Bauchumfang von mehr als 90 cm ein bis zu 20-fach erhöhtes Arteriosklerose-Risiko haben, auch wenn sonst keiner der klassischen Risikofaktoren - Rauchen, Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin - vorliegt. Després fand bei vier von fünf mittelalten Patienten mit vermehrtem Bauchumfang regelmäßig einen erhöhten Nüchtern-Insulinspiegel, ein erhöhtes Apolipoprotein B, und hohe Konzentrationen kleiner LDL-Partikel im Blut. Mit Abnahme des Bauchumfangs unter den kritischen Werten von 90 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen sanken auch die Lipoproteine im Blut. Der Bauchumfang kann als einfaches Mittel zur Risikoeinschätzung und als Anhaltspunkt für den Erfolg einer Therapie durch Gewichtsabnahme und Lebensstil-Veränderung gelten.
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Erhöhtes Cholesterin kann auch genetisch bedingt sein
Sehr häufig sind Fettstoffwechselstörungen die Folge eines ungesunden Lebensstils: Die Patienten essen zu viele tierische Fette, bewegen sich wenig und rauchen möglicherweise obendrein. Aber es gibt auch genetische Ursachen. Es ist möglich, dass zum Beispiel eine Frau mit Anfang 40 schlank ist, nicht übermäßig viel Fleisch oder Eier verzehrt, alle drei Tage Sport treibt und trotzdem ein leicht erhöhtes LDL-Cholesterin hat. In diesem Fall liegt der Verdacht nahe, dass es in ihrer Familie eine Veranlagung für Fettstoffwechselstörungen gibt.
Schon Kinder können betroffen sein
Sehr wahrscheinlich leidet die Frau unter einer heterozygoten familiären Hypercholesterinämie. Bei heterozygot vererbten Krankheiten ist nur eines von zwei sich entsprechenden Genen defekt. Bei der heterozygoten Form der Hypercholesterinämie gibt es immer noch ein gesundes Gen. Wenn dagegen beide Gene betroffen sind, handelt es sich um eine homozygot vererbte Fettstoffwechselstörung: Sie tritt auf, wenn sowohl Vater als auch Mutter unter einer Fettstoffwechselstörung leiden und beide ihr defektes Gen weitervererben. Das Kind besitzt dann kein gesundes Gen. Mediziner sprechen in diesem Fall auch von einer homozygoten familiären Hypercholesterinämie (FH).
Erbliche Hypercholesterinämie kann lebensgefährlich sein
Die Auswirkungen bei einer homozygot vererbten Hypercholesterinämie sind sehr viel drastischer als bei der 40-Jährigen mit der heterozygoten Hypercholesterinämie, deren Cholesterin leicht erhöht ist. Die homozygote Hypercholesterinämie tritt häufig bereits im Kindesalter auf. Die Folgen sind dramatisch: Die jungen Patienten entwickeln eine Arteriosklerose und in der Folge Krankheiten wie Herzinfarkt und Aortenklappenstenose. Bei 10 % der Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, lässt sich eine familiäre Fettstoffwechselstörung nachweisen.
Zu den Symptomen einer vererbten Fettstoffwechselstörung zählen:
- Cholesterinablagerungen, sogenannte Xanthelasmen: gelbfarbene Polster, die unter der Haut, am Gesäß, an Gelenken und Strecksehnen – besonders Achilles- und Ellenbogensehnen – auftreten.
- Weißliche Ablagerungen in der Hornhaut, Arcus lipoides corneae, die als Ring um die Iris sichtbar werden.
- Die im Blut gemessenen Cholesterinwerte sind extrem hoch, meistens höher als 500 mg/dl (13 mmol/l), gelegentlich liegen sie sogar über 1000 mg/dl (26 mmol/l). Idealerweise sollte der Cholesterinwert unter 190 mg/dl liegen.
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Es gibt Fettstoffwechselstörungen, bei denen nur eine Art Blutfett erhöht ist. Wenn nur das Cholesterin angestiegen ist, sprechen Mediziner von einer Hypercholesterinämie. Es können aber auch nur die Triglyzeride oder die Chylomikronen erhöht sein. Häufig sind Mischformen, bei denen mehrere Fette zugleich erhöht sind, z.B. Cholesterin und Triglyzeride.
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Erhöhtes Cholesterin: Auch eine Schilddrüsenstörung, Diabetes, Magersucht oder Alkohol können die Ursache sein
Die häufigste Ursache für Fettstoffwechselstörungen ist eine falsche Ernährungsweise, sprich: der übermäßige Verzehr von tierischen Fetten. Aber auch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann zu Fettstoffwechselstörungen führen. Bei Patienten mit einer Hypothyreose sind die Andockstellen (Rezeptoren) für die Lipoproteine der Leberzelle vermindert. Die Rezeptoren ermöglichen und regulieren die Aufnahme der Lipoproteine in die Zelle. Je weniger Lipoproteinrezeptoren, umso mehr cholesterinreiche LDL und IDL zirkulieren im Blut. Eine Therapie der Schilddrüsenunterfunktion verbessert die Blutfettwerte meistens. Bei der Diagnostik der Fettstoffwechselstörungen sollte der Arzt deshalb in jedem Fall die Schilddrüsenhormone kontrollieren.
Exzessiver Alkoholkonsum lässt die Triglyzeride steigen Wer unter Fettstoffwechselstörungen leidet, tut gut daran, seinen Alkoholkonsum zu drosseln. Denn regelmäßiger Alkoholkonsum steigert den Triglyzeridspiegel im Blut. Dies geschieht über eine Steigerung der VLDL-Produktion in den Leberzellen. Besonders hohe Triglyzeridwerte finden sich, wenn gleichzeitig eine familiäre Fettstoffwechselstörung besteht.
Hyperlipidämie durch Diabetes
Fettstoffwechselstörungen treten sehr häufig bei Patienten mit Diabetes mellitus auf. Einerseits können beide Stoffwechselstörungen gleichzeitig vorliegen, andererseits verschlechtert eine schlechte Blutzuckereinstellung die Blutfettwerte. Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel kommt es zu einer vermehrten Freisetzung von Fettsäuren aus dem peripheren Fettgewebe und einer gesteigerten Triglyzerid- und VLDL-Produktion in den Leberzellen. Der Abbau von VLDL zu LDL ist vermindert, weshalb der LDL-Spiegel oft wenig beeinflusst ist. Neben der Erhöhung der Triglyzeride und der VLDL sind auch niedrige HDL-Spiegel typisch für Diabetiker. Sind die Blutzuckerspiegel jedoch gut eingestellt, ist die Hyperlipidämie in der Regel gut zu kontrollieren. Häufig treten Fettstoffwechselstörungen und Diabetes, bzw. eine Insulinresistenz, mit Adipositas (Übergewicht) und Bluthochdruck gemeinsam auf. Experten sprechen in diesem Fall von einem metabolischen Syndrom. Ursache für dieses Syndrom ist meistens eine ungesunde Lebensweise: Bewegungsmangel, Nikotinkonsum und eine Ernährung, die zu viele tierische Fette und schnell verstoffwechselbare Zucker enthält. Schnell verstoffwechselbare Zucker finden sich vor allem in Süßigkeiten, Keksen, Kuchen, Corn Flakes, Weißbrot und Soft-Drinks.
Auch eine Magersucht kann Ursache einer Fettstoffwechselstörung sein Interessanterweise kann aber die Magersucht eine Hypercholesterinämie hervorrufen. Es gibt verschiedene Hypothesen für diesen Zusammenhang: Ein häufig erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol wie er für Magersucht typisch ist und wiederholte Diäten führen zu einer erhöhten Fettspaltung (Lipolyse) in den Fettzellen. Auch die oft zu beobachtende körperliche Hyperaktivität, mit der Magersüchtige einer Gewichtszunahme entgegenwirken wollen, steigert die Lipolyse. Dies alles führt zu erhöhten Fettwerten im Blut. Auch der durch die geringe Nahrungsaufnahme stark verlangsamte Stoffwechsel mit geringem Grundumsatz kann zu einer Erhöhung der Lipoproteine führen.
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Diagnose von Fettstoffwechselstörungen – es kommt nicht nur auf das Gesamtcholesterin an
Die Diagnose von Fettstoffwechselstörungen ist für den Patienten recht unkompliziert. Um zunächst das persönliche Risiko für Fettstoffwechselstörungen und ihre Folgekrankheiten zu ermitteln, fragt der Arzt den Patienten nach seiner Krankengeschichte und der seiner Familie – der Arzt erhebt eine Eigen- und Familienanamnese. Außerdem fließen Alter und Geschlecht sowie andere Risikofaktoren – wie erhöhter Blutzucker, erhöhter Blutdruck, Rauchen und Übergewicht – mit in das Risikoprofil ein.
Gesamtcholesterin allein reicht nicht aus
Im Nüchternblut werden dann die unterschiedlichen Lipoproteine gemessen: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride, Chylomikronen und Lipoprotein(a). Wichtig ist, dass wirklich alle Fettwerte gemessen werden. Der Gesamtcholesterin-Wert allein ist wenig aussagekräftig, da er das Verhältnis von gutem und schlechtem Cholesterin nicht präzisiert. Der Arzt sollte in jedem Fall die Triglyzeride und das HDL, das gute Cholesterin, ermitteln. Neben den Blutfettwerten sollte auch der Blutzucker gemessen werden, da Fettstoffwechselstörungen häufig zusammen mit Diabetes auftreten oder gar erst durch die Zuckerkrankheit ausgelöst werden. Auch eine Kontrolle der Schilddrüsenhormone gehört zur Diagnostik, da gelegentlich auch eine Schilddrüsenunterfunktion den Fettstoffwechselstörungen zugrunde liegt. Vor der Blutabnahme sollte der Patient nüchtern sein, also nichts gegessen oder Kalorienhaltiges getrunken haben.
Gefäß-Ultraschall und Blutdruckmessung ebenfalls empfehlenswert
Außerdem gehören zur Diagnostik bei Fettstoffwechselstörungen eine Duplex-Sonographie der Halsgefäße und eventuell auch der Beingefäße. Diese Ultraschall-Untersuchung gibt Hinweise darauf, ob und bis zu welchem Grad sich eine Arteriosklerose entwickelt hat. Selbstverständlich muss der Arzt auch den Blutdruck messen. Sollte der Patient unter Bluthochdruck leiden, ist auch ein Ultraschall der Nierenarterien angezeigt. So lässt sich feststellen, ob durch den erhöhten Druck die Nierengefäße bereits geschädigt sind.
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Die idealen Werte für Cholesterin und Triglyzeride sind individuell unterschiedlich
Wie hoch dürfen die Blutfette bzw. das Cholesterin liegen? Die Zielwerte für die einzelnen Blutfette und Lipoproteine ermittelt der Arzt für jeden Patienten individuell, abhängig von weiteren Risikofaktoren. So kann es sein, dass er für manche Patienten Fettwerte anstrebt, die unterhalb der empfohlenen Richtwerte liegen. Allerdings gibt es Orientierungswerte, die eine generelle Einschätzung erlauben.
Richtwerte für die Höhe der Blutfette:
| Blutfett |
Erwachsene
mg/dl |
Mmol |
Kinder
mg/dl
|
Mmol |
| Gesamtcholesterin |
<190 |
<5 |
<100 (5-9) |
<2,6 |
| VLDL |
|
<30 |
|
<20 |
| LDL |
<115 |
|
80-90 |
|
| HDL |
>40 Männer >46 Frauen |
|
<40 |
|
| Verhältnis LDL\HDL |
<3,5 |
|
<3,5 |
|
| Lipoprotein (a) |
<30 |
|
<30 |
|
| Triglyceride |
<150 |
<1,8 |
<70 |
<1,1 |
|
|
|
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